Grundprinzip: Use Case zuerst, Kontrolle danachNIS2 wird nicht dadurch erfüllt, dass einzelne Security-Produkte vorhanden sind. Prüffähig wird das Setup, wenn pro Use Case klar ist: welches Risiko entsteht, welche technische und organisatorische Kontrolle greift, wer verantwortlich ist und welcher Nachweis im Audit gezeigt werden kann. Keine Rechtsberatung, sondern eine Kontrollsicht für Planung und Prüfung.
Use Case 1: Nutzer fragt internes Wissen abRisiko: falsche Antwort, Halluzination oder Zugriff auf fremde Dokumente. Gebaut: Login über FortiAuthenticator, Scopes am Mac mini, Rechtefilter vor Retrieval, Qdrant nur mit erlaubten Filtern, Quellenpflicht, Citation Validation und No-answer-Regel. Nachweis: Rollenmatrix, Chunk-Metadaten, RAG-Testfälle mit erlaubten und verbotenen Quellen.
Use Case 2: Nutzer fragt Live-Status aus Betriebssystemen abRisiko: zu breite API-Rechte oder versehentliche Änderungen an produktiven Systemen. Gebaut: Tool-Broker auf dem Mac mini, read-only Service-Accounts für PRTG, FortiGate, FortiAnalyzer, FileWave und Jira Assets, Tokens im Vault/Secret-Store, jeder Aufruf mit User-ID, Scope und Request-ID im Audit. Nachweis: API-Allowlist, Service-Account-Rechte, Token-Rotation und Broker-Logs.
Use Case 3: Security- oder NetzwerkfrageRisiko: sensible Konfigurationsdaten, Logs oder Security-Details landen im Prompt oder bei falschen Nutzern. Gebaut: FortiGate/ZTNA als Netzwerkgrenze, keine direkten Ports zu Exo, Qdrant, LM Studio oder Mac Studios, Rollen-/Scope-Prüfung am Mac mini, Redaction vor Promptbau und Logging. Nachweis: Firewall-Regeln, ZTNA-Policy, Log-Redaction-Test, Beispiel-Auditlog.
Use Case 4: RAG, LLM Wiki und WissenspflegeRisiko: ungeprüfte Chat-Antworten werden zur neuen Wahrheit. Gebaut: LLM Wiki und KG-lite bleiben read-only und quellengebunden. Neue Chunks brauchen Quelle, Hash, Scope, Rechte-Metadaten und Review-Status. Verbesserungen laufen als Review- oder Ingestion-Kandidaten, nicht als automatisches Lernen aus Chats. Nachweis: Ingestion-Protokoll, Quellenfreigabe, Review-Historie und Restore-Test.
Use Case 5: Exo-Inferenz und ModellbetriebRisiko: instabile Cluster-Inferenz, falsche Runtime-Umschaltung oder ungeprüfte Modelle. Gebaut: Exo erst nach Benchmark, RDMA-/Topologie-Test, Ausfalltest und Burn-in; LM Studio nur als sichtbarer Fallback; Qwen-Modellprofile mit Version, Quantisierung, Kontextlänge und Presets. Nachweis: 1-vs-2-Node-Test, 1/2/4-Nutzer-Test, TTFT, Tokens/sec, RAM/Swap, Fehlerverhalten, Modellherkunft und Lizenzprüfung.
Technische Kontrollen im SetupMFA/ZTNA, Netzsegmentierung, kein direkter Clientzugriff auf Backend-Nebenkomponenten, Secret-Store, Transportverschlüsselung, verschlüsselte Backups, Patch- und Vulnerability-Prozess für macOS, FortiOS, Exo/MLX, Qdrant und LokaleKI, zentrale Auditlogs und Monitoring über FortiAnalyzer/SIEM oder ein definiertes Logziel.
Organisatorische KontrollenRisikobewertung je Use Case, Datenklassifizierung, Freigabeprozess für Quellen und Modelle, Rollen- und Rechtematrix, Admin-Trennung, Vier-Augen-Prinzip für produktive Policy-Änderungen, Schulung für Nutzer/Admins/Management, Incident-Runbook, Lieferanten- und Modellbewertung, regelmäßige Wirksamkeitsprüfung.
Was ein Prüfer sehen willArchitektur- und Datenflussdiagramm, Assetliste, Risikoanalyse, Management-Freigabe, FortiGate-/ZTNA-Regeln, OIDC-Claims-Mapping, MFA-Nachweise, RAG-Testfälle, No-answer-/Citation-Validation-Tests, Tool-Broker-Logs, Vault-/Token-Rotation, Backup-/Restore-Protokolle, Exo-Burn-in, Failover-Test, Patchreports, Incident-Tabletop und Maßnahmenplan für offene Mängel.
Incident Response und MeldewegFür das KI-System braucht es klare Kriterien: Datenabfluss, unberechtigter Zugriff, Tool-Missbrauch, falsche Quellenfreigabe, Ausfall der Control Plane, kompromittierte Tokens oder externer Datenabfluss. Das Runbook muss Owner, Eskalation, technische Eindämmung, Forensik, Kommunikation und Fristen abdecken. In Österreich nennt NISG 2026 §34 u. a. 24-Stunden-Frühwarnung, 72-Stunden-Meldung und Abschlussbericht.
Offene KundenentscheidungenIst der Kunde wesentliche oder wichtige Einrichtung? Welche Dienste sind kritisch? Welche Datenklassen dürfen in RAG? Welche Rollen sehen welche Quellen und Tools? Welches Logziel ist führend? Wer genehmigt Modelle, Fallback und Restrisiko? Wer besitzt die Quellenfreigabe, die Incident-Rolle und die regelmäßige Kontrollprüfung?
Regulatorischer Anker, Stand 08.05.2026EU-NIS2 fordert risikobasierte technische, operative und organisatorische Maßnahmen sowie Governance und Meldepflichten. In Österreich nennt NISG 2026 insbesondere §32 Risikomanagementmaßnahmen, §33 Nachweis der Wirksamkeit, §34 Berichtspflichten und §35 erheblicher Cybersicherheitsvorfall; laut RIS treten diese Pflichten am 01.10.2026 in Kraft. Quellen: EU-Richtlinie 2022/2555, RIS §32, RIS §33, RIS §34, RIS §35.